GOTT DEINE GNADE REICHT, SO WEIT DER HIMMEL IST UND, UND DEINE TREUE,
SOWEIT DIE WOLKEN GEHEN. Psalm 108.5
Freundeskreis Ndolage Freundesbrief
1 2009
Ndolage Hospital P.O.Box
34
Kamachumu Kagera-Region
Tanzania
26.8.2009
Liebe Freundinnen und Freunde Ndolages!
Heute laden wir Sie ein, den Bericht einer jungen Freiwilligen zu lesen,
die vor 2 Wochen ihren Einsatz in Ndolage beendet hat:
„Vogelgezwitscher, das Blöken der Kuh meines Nachbarn, das Rascheln der
Bananenstaudenblätter im Wind das ich immer noch nicht vom Geräusch der
Regentropfen unterscheiden kann und das Geschrei der Kinder in den umliegenden
Häusern. Ich reibe mir die Augen, krieche unter meinem Moskitonetz hervor und
schiebe den Vorhang zur Seite weil mich nun doch interessiert ob es der Regen
oder bloß die großen grünen Blätter im Wind sind. Es sind die Blätter, die
Sonne wirft langsam ihre ersten Strahlen auf die Dächer und ich freu mich - ein
neuer Tag in Ndolage.
Ich heiße Wiebke Werner, bin 20 Jahre alt, Freiwillige der VEM (Vereinte
Evangelische Mission) und mittlerweile seit 10 Monaten wache ich so oder so
ähnlich hier auf. Hier, das ist in Afrika, Tansania. Genauer gesagt am
Viktoriasee und noch genauer auf dem Kamachumu-Plateau in Ndolage.
Ndolage ist ein Krankenhaus das 1928 von Missionaren der damaligen Bethel-Mission
(Vorgänger der VEM) gebaut wurde. Heute steht es unter der Trägerschaft der
lutherischen Kirche Tansanias, genießt in der hiesigen Kagera-Region einen sehr
guten Ruf aufgrund seiner Dienstleistungen und Fachkräften. Denn gute
medizinische Versorgung ist hier Mangelware - auf die knapp 2 Millionen Einwohner kommen noch nicht mal 30 Ärzte, im engeren
Einzugsgebiet des Krankenhauses wohnen in vielen Dörfern verstreut 130.000
Menschen. Einige davon werden auch heute wieder teilweise den stundenlangen
Fußmarsch auf sich nehmen, um
herzukommen.
Ich arbeite auf der gynäkologisch-chirurgischen Frauenstation mit und wir
werden heute wieder einige Patientinnen in den OP bringen, Wundverbände
wechseln, Medikamente austeilen. Auf anderen Stationen kümmert man sich um
malariakranke Kinder, Männer mit Infektionen oder Knochenbrüchen, schwangere
Mütter oder HIV-Positive aller Altersstufen.
Es ist viel zu tun heute und die Nachricht, dass letzte Woche wieder ein Arzt
das Krankenhaus verlassen hat, hängt allen noch etwas nach. Ndolage ist ein
kirchliches Krankenhaus und die Kirche kann sich das in den letzten Jahren
ziemlich angestiegene Lohn-Niveau der staatlichen Krankenhäuser nicht leisten
und so wandern in den letzten Jahren immer mehr gut qualifizierte Fachkräfte in
die staatlichen Krankenhäuser ab, auch aus Ndolage.
Trotz dieser Unsicherheiten gibt es aber auch gute Nachrichten,
Hoffnungsschimmer und ein nach vorn gerichteter Blick: Seit Dezember sind 2
neue Ärzte aus Dänemark für 2 Jahre da; eine neue Röntgenmaschine wird soeben
in Betrieb genommen und ein 5-Jahres-Plan soll entwickelt werden um die
Engpässe konstruktiv anzugehen und Ndolage wieder auf stabile Beine zu stellen.
Zurück im Krankenhausalltag. Ich zeige einer Frau mit starken
Bauchbeschwerden den Weg zur Krankenhauskasse, sie soll die Kosten für die
Ultraschalluntersuchung bezahlen, die der Arzt ihr geraten hat. Sie schaut auf
den Boden und sagt leise sie warte noch auf ihre Verwandte die das Geld aus dem
Dorf bringe. Ich horche auf, denn dieses Warten kenne ich von vielen Patienten.
Manchmal kommt 2 Stunden später tatsächlich jemand aus der Familie. Manchmal
dauert das Warten aber auch einige Tage bis sich herausstellt, dass kein Geld
da ist. Viele Familien leben auf den Dörfern, ohne Wasser, ohne Strom von den
Früchten ihrer Felder und versuchen von dem Geld das sie durch den Verkauf
ihrer Ernte oder Hilfsarbeiten
eingenommen haben, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Da kann ein plötzlich
erforderlicher Krankenhausbesuch eine Familie schnell vor nicht zu bewältigende
finanzielle Herausforderungen stellen. Der Schatzmeister des Krankenhauses
bittet die Frau in sein Büro und redet mit ihr - ein Fall für PPF?
PPF steht für Poor-Patients-Fund, eine Art Finanz-Topf speziell für arme
Patienten die ihre Rechnungen nicht bezahlen können. In den letzten beiden
Jahren war es auch möglich, allen Kindern unter 5 Jahren für einen Eigenanteil
von 3000,- tansanischen Schillingen (2,- €) die komplette Behandlung
anzubieten. Dieses führte zu einer deutlichen Zunahme der kleinen Patienten und
im letzten Jahr konnte so 1567 Kindern geholfen werden. Leider reichten die
Spenden nicht aus, auch dieses Jahr die hiermit verbundenen Kosten von knapp
40.000,- € zu decken. So muss nun leider wieder auch bei den Kleinkindern genau
wie bei den Älteren zunächst eine Prüfung der finanziellen Leistungsfähigkeit
der Familie erfolgen.
Damit das Krankenhaus auch weiterhin seinem Auftrag gerade für die arme
Bevölkerung nachkommen kann, ist es notwendig, dass genügend Geld in PPF-Topf
vorhanden ist. Die Verantwortlichen in Ndolage bemühen sich vermehrt darum,
auch im Inland Spenden zu bekommen. Aber der PPF wird weiterhin auf großzügige
Spenden aus dem Ausland angewiesen sein. Es wäre schön, wenn in diesem Jahr
genügend Geld eingeht, um bald wieder alle Kleinkinder für eine Pauschale von
2,- € behandeln zu können.
An dieser Stelle im Namen des Krankenhauses auch nochmal ein herzliches
Dankeschön an alle, die sich bisher schon daran beteiligt haben.
Herzliche Grüße aus Ndolage! Ihnen allen Gottes Segen“
Soweit der Bericht, dem wir nichts mehr zuzufügen haben.
Dr. Onesmo Rwakyendela, Chefarzt N. Tinkamwesigile, Koordinator Dr. Frank Beier
Spendenkonto: Vereinte Ev. Mission, KD-Bank,
BLZ 350 601 90, Konto-Nr.: 90 90 90 8, Verwendungszweck: Kennwort Ndolage-PPF
und komplette Adresse für die Spendenbescheinigung (Wenn die Adresse nicht
unter „Verwendungszweck“ steht, wird sie nicht übermittelt!) PS: Daueraufträge
geben uns eine größere Planungssicherheit.
Fotos von Ndolage von Frank Beier, die
im non-profit Bereich frei verwendet werden können finden sich im Internet
unter www.panoramio.com, Ort: Kamachumu
Filmtipp: Schöne Aufnahmen
besonders auch aus dem Kreißsaal von Ndolage zeigt der Film „Der lange Weg ans
Licht“. Die CD ist auch per Internet bei www.amazon.de für 7,95 erhältlich
Kontakte: Krankenhauszentrale: elctndolage@yahoo.com
Koordinator PPF, Herr Tinkamwesigile: elctnwdppf@yahoo.com
Dr. Onesmo Rwakyendela: onesmor2000@yahoo.co.uk
Wiebke Werner: wiebke-werner@gmx.de
Dr. Frank Beier: SilkeFrankB@web.de, Tiefenstr. 4, D-33824
Werther, Tel. 05203-296971
Informationen zur Vereinten Evangelischen Mission: www.vemission.org